Originales Kunstwerk KAMALOKA 3H – Nina Bussjäger – Acryl auf Leinwand, 100 × 150 cm
Originales Kunstwerk KAMALOKA 3H – Nina Bussjäger – Acryl auf Leinwand, 100 × 150 cm
Das Bild wirkt auf mich wie ein eingefrorener Moment zwischen Geborgenheit und Katastrophe: warme Orange- und Brauntöne treffen auf kühles Türkis, während der Rotor den vertrauten Wohnraum durchschneidet.
‚KAMALOKA 3H‘
Das vielleicht Verstörendste an einem Absturz ist, dass ihm ein Flug vorausgeht – dass etwas, das eben noch getragen schien, im nächsten Augenblick mit derselben unerbittlichen Folgerichtigkeit stürzt, mit der es zuvor durch die Dunkelheit getragen wurde.
Kamaloka 3h verdichtet diesen Widerspruch zu einer Vision von geradezu körperlicher Wucht: ein warmer bewohnter Innenraum wird von einem Rotor wie eine monströse Klinge durchschlagen, als hätte sich eine fremde Sphäre gewaltsam in de Wirklichkeit gebohrt; die Architektur klafft auseinander, die Perspektive verliert ihre Gravitation, die Nacht ergießt sich in den Raum und mit ihr eine eisige Kälte, die nicht von draußen zu kommen scheint, sondern aus dem Einbruch des Unbegreiflichen selbst.
Selbst die Leere der Sitze bekommt darin eine eigentümliche Grausamkeit: für einen flüchtigen Augenblick liegt in ihr die Erleichterung, dass niemand dort gewesen sein kann, bevor sich dieses Aufatmen in etwas viel Verstörenderes verwandelt – in die Ahnung, dass es für die Gewalt dieses Ereignisses niemals eines Gegenübers bedurfte.
Eine geisterhafte Maschine, deren ungeheure Energie jedes persönliche Motiv überlebt hat und die dadurch beinahe den Charakter eines entfesselten Schicksals annimmt – vielleicht sogar eines Hirngespinstes, das sein eigenes Dasein überdauert hat und nun zu seinem Ursprung zurückkehrt. Hier gewinnt Kamaloka seine eigentliche Tiefe: der Ort er Begierde, jener schwer fassbare Zwischenraum, in dem die Bindungen an das Irdische ihre Macht verlieren sollen; und plötzlich erscheint dieser Wohnraum nicht mehr lediglich als zerstörtes Interieur, sondern als letztes, aufgerissenes Gerippe eines Lebens, an dem noch alles haftet –Wärme, Leidenschaft, Erinnerung, die Vorstellung von Dauer.
Drei Uhr morgens - jene entgrenzte Stunde zwischen Schlaf und Wachheit, in der die Wirklichkeit ihre festen Konturen verliert und das Unmögliche plötzlich dieselbe sinnliche Gewissheit besitzt wie das Vertraute.
Das Licht brennt noch, doch die Schwerkraft gehört bereits einer anderen Welt.
NINA BUSSJÄGER
*29.07.1992
in Neustadt an der Weinstraße
2014/2015
Studium der freien Kunst
an der staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Seit 2016
Freischaffende Künstlerin mit zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen
und freien künstlerischen Projekten
2017-2026
Mitglied und zeitweise Vorstandsbeisitzende des Künstlerbund Speyer
2022
Preisträgerin des Kunstpreises „Junge Kunst“
des Kunstvereins Neustadt
Seit 2025
Mitorganisatorin des Kunstkollektivs artUP Speyer
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